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Der Brief eines Unbekannten

Ich bin erschrocken zuerst, dann erstaunt und zuletzt siegt die Neugier. Ich öffne den Brief, auf dem mein Name steht.

 

Meine Liebe,

du fragst dich, wer ich bin, wer dir hier schreibt?

Ich lebe im Verborgenen, zeige mich normalerweise nicht. Es ist mein Wesen, unerkannt zu bleiben.

Heute offenbare ich mich dir, schicke dir diesen Brief.

Ich weiß, du wunderst dich. Das machst du ja sehr gerne, stellst deine Sinne auf den Prüfstand, stellst Fragen und öffnest dich für die Merkwürdigkeiten.

Und ich spüre auch, du bist neugierig, möchtest etwas über mich erfahren, willst wissen, wie ich aussehe, was meine Eigenschaften sind, welche Bedeutung ich für dein Leben habe.

Ja, das kann ich gut verstehen. Da geht es dir wie vielen Menschen, die wissen wollen.

Wissen wollen sehnt eine Erkenntnis herbei, ein Durchschauen – Gewissheit haben.

Gewissheit haben schenkt Sicherheit. Du kannst dich dann im Verstehen entspannen.

Aber, meine Liebe, da muss ich dich leider enttäuschen.

Gewissheit ist eine Illusion.

Gewissheit ist lediglich eine Verknüpfung von Annahmen, die du herstellst und sie für „die Wahrheit“ hältst.

Wisse, es KANN so sein, oder aber auch ganz anders.

Bedenke auch, dass mit jeder vermeitlichen Gewissheit auch etwas von dem Zauber verloren geht, den du in meiner Gegenwart spürst.

Der Gedanke macht dich traurig?

Du liebst die Magie, das Geheimnisvolle der Lebensbewegungen. Du staunst gerne und oft über die Größe und das Wunderbare zwischen Himmel und Erde.

Ja und doch…

Mir ist bewusst, dass du dich auch vor mir fürchtest. Ich kenne deine Ängste, die sich in „wenn – dann- Sätzen“ äußern.

Ich weiß auch um dein Erschrecken, wenn ich so plötzlich und unerwartet auftauche. Wenn ich mich dir so ganz unvermittelt in den Weg stelle und du erst einmal so nicht weitergehen kannst, wie es der Plan in deinem Kopf vorgesehen hat.

Dann wirst du unsicher – eine Qualität, die du gar nicht magst – fühlst dich erst einmal klein und hilflos.

Aber mal ganz ehrlich, meine Liebe, ich beobachte das nun schon viele Jahre an dir, erst ist ein Erschrecken da – Ja! (ist ja auch verständlich, wenn man nicht mit mir rechnet), aber dann – bitte erinnere dich – dann bin ich dir oft als Überraschung erschienen, die dein Leben heller und reicher gemacht hat.

Statt deinem eigentlichen Plan zu folgen, hat sich im Einlassen auf mich, etwas viel Größeres entwickelt. Ich öffne für dich den Raum der unendlichen Möglichkeiten, schenke dir neue Impulse, Fähigkeiten, Qualitäten, oft auch Perspektivwechsel, wenn du mich nur lässt. Ich schubse dich von deinem inneren Sofa, mitten hinein ins Leben, in dem du das Himmelsleuchten ahnst.

Wenn du genau hinschaust, bin nicht ich der Zauber des Lebens, sondern dein Umgang mit mir, dein Einlassen auf mich, macht dein Leben zauberhaft.

Ich bedanke mich bei dir, meine Liebe, dass du diesen Brief geöffnet hast und nun einen neuen Bekannten hast, der dein Leben bereichern möchte. Ich lege mich dir ins Herz…

Das Unbekannte

 

Wenn dir ein Unbekannter einen Brief zustecken würde, was würde darin stehen? Was würdest du gerne lesen?

 

 

 

 

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